Rezension: Ab in die Wüste!

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Selbsterkenntnis ist nichts für Feiglinge – so führt uns Katharina Ceming, ihres Zeichens Philosophin und Theologin, in dieses unkonventionelle Buch ein. Sie zeigt uns auf, was wir von den ersten Einsiedlermönchen lernen und wie wir ihre Praktiken auf unsere heutige Zeit übertragen können.

 

Humorvoll legt die Autorin ihr Wissen über die Wüstenväter dar, die im 3. oder 4. Jahrhundert in Ägypten lebten. Dabei zeichnet sie keineswegs ein idealisiertes Bild, sondern lässt uns unverblümt und mit Augenzwinkern an der Lebensweise der Einsiedlermönche teilhaben. Wer damals in die Wüste auszog, dem ging es darum, frei zu sein von den Einflüssen und Ablenkungen des täglichen Lebens und zu innerer Ruhe und Nähe zu Gott zu finden. Am Beispiel von Antonius (und einigen nachfolgenden Mönchen) erklärt sie, dass diese Reise wenig mit Wohlfühlspiritualität zu tun hatte, sondern mit einer intensiven und häufig qualvollen Auseinandersetzung mit den inneren Dämonen und Schatten.

 

Obwohl bereits 2013 erschienen, hat das Buch heute noch höchsten Aktualitätswert: In unserer digitalisierten Welt sind wir täglich unzähligen Reizen und Ablenkungen ausgesetzt, die uns von uns selbst wegführen. So ist es auch für uns heute eine gute Übung, das „Bei-sich-selbst-sein“ auszuhalten. Dafür müssen wir weder in die Wüste ziehen, noch den Jakobsweg gehen. Es reicht schon ein Bewusstwerden im Alltag, wo und wann wir vor uns selbst flüchten wollen, sei es durch ständiges Aktivsein, Ablenkungen etc.

 

Für mich war dieses Buch sehr interessant und inspirierend zu lesen. Immer wieder fallen die Parallelen auf, die zwischen den Praktiken der Wüstenvätern und heutigen Meditationen & Retreats bestehen. Selbst wenn es nur kurze Zeiten des Rückzugs sind (und im Vergleich zu der Lebensweise der Wüstenväter immer noch sehr bequeme!), geht es um denselben Grundgedanken: Sich so wenigen Ablenkungen wie möglich aussetzen, geistige Ruhe erfahren und die Verbindung zu etwas Größerem zu spüren. Mir gefällt auch, wie die Autorin ihr Wissen über das Christentum in Vergleich setzt zu buddhistischen und östlichen Praktiken. Einzig die Übertragung der Lehren in unsere heutige Zeit hätte für meinen Geschmack ausführlicher thematisiert sein dürfen – vielleicht ja in einem Folgebuch!

 

 

Ab in die Wüste! Mut zur Selbsterkenntnis – den Wüstenvätern abgeschaut 

Von Katharina Ceming 

erschienen 2013 im Kösel Verlag, München, 160 Seiten