Im Hier und Jetzt sein

Kennen Sie solche Situationen? Sie sehen sich die Nachrichten an und sind mit Ihren Gedanken plötzlich ganz woanders? Sie fahren mit dem Auto in die Arbeit und können sich nach Ihrer Ankunft nicht erinnern, was unterwegs war? Sie gehen in die Küche, um etwas zu holen, wissen dann aber nicht mehr, was das war?

Wenn Ihnen die eine oder andere Situation bekannt vorkommt: Willkommen im Club! Keine Sorge, Sie leiden nicht an Alzheimer, sondern befinden sich dann in einem Zustand, der in der Achtsamkeit „Autopilot“ genannt wird. Wie es der Name schon sagt, steuert uns dieser innere Anteil automatisch und lenkt uns durch Gedanken vom absichtsvollen Tun ab. Typisch ist, dass die Aktion bzw. Reaktion unbewusst abläuft und sich unserer Kontrolle entzieht.

 

Hierin finden wir zugleich den Schlüssel zur Veränderung: Wenn wir uns dieses Vorgehen bewusst machen, werden wir nicht mehr weiter automatisch gesteuert, sondern können klar entscheiden und haben wieder selbst die Zügel in der Hand. Bleiben wir bei den vorigen Beispielen: Wollen wir die Nachrichten ansehen und es tauchen Gedanken auf, können wir uns also innerlich sagen: „Danke, aber jetzt nicht! Ich möchte jetzt die Nachrichten ansehen! Ich denke später wieder darüber nach.“ Oder unterwegs in die Arbeit können wir uns vornehmen, unsere Umgebung bewusst wahrzunehmen: Wie ist das Wetter heute? Wem begegne ich unterwegs?

Damit trainieren wir, vom Autopiloten auf mehr Bewusstheit zu schalten. Diese Fähigkeit, im Hier und Jetzt, macht uns resilient und stärkt uns präventiv für Krisenzeiten. Folgen wir hingegen unseren Gedanken stets unbewusst und neigen wir zu Grübeleien und negativen Gedanken, wird dies auf Dauer die psychische Gesundheit beeinträchtigen – ein Thema, das gerade hochsensible Menschen sehr betrifft! 

Der Haken an der ganzen Sache:  Meistens lässt sich das Umschalten vom Autopiloten zu Bewusstheit nicht von heute auf morgen lernen. Was es vielmehr bei den meisten Menschen (ich inklusive!) braucht, sind gezielte Achtsamkeitsübungen. Damit meine ich tägliche Meditationen und Zeiten der Besinnung, in denen wir nicht von Smartphone, Fernsehr, To-Dos etc. abgelenkt sind. In der Meditation üben wir uns darin, unsere Aufmerksamkeit gezielt im Hier & Jetzt zu halten. Sobald Gedanken auftauchen und wir sie bemerken, lassen wir sie ziehen und konzentrieren uns wieder auf die Atmung. Jedes Mal aufs Neue! Ja, ich weiß, das ist streckenweise eine mühsame Arbeit, aber auch eine lohnenswerte. Aus neurowissenschaftlichen Studien wissen wir, dass tägliches Meditieren über einen Zeitraum von mindestens acht Wochen neue neuronale Verknüpfungen schafft, die für mehr Gelassenheit, Resilienz und Stressbewältigung stehen. Wer regelmäßig meditiert, wird diese Wirkung persönlich bestätigen können und dadurch motiviert sein, den Achtsamkeitsmuskel weiter zu trainieren.  

 

Einige von Ihnen werden vermutlich schon eine regelmäßige Achtsamkeits- und Meditationspraxis haben, für andere ist es wiederum Neuland. Vielleicht ist für Sie heute der Tag, an dem Sie sich im Meditieren versuchen möchten? Suchen Sie sich dafür ein ungestörtes Plätzchen und setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl oder ein Sitzkissen. Stellen Sie einen Timer (anfangs reichen 5 Minuten und wenn Sie sich wohl damit fühlen, können Sie das Zeitfenster nach einigen Malen ausweiten). Für viele Menschen ist es auch hilfreich mit geführten Anleitungen zu üben. Dazu gibt es heute ein riesiges Angebot an Achtamkeitsmeditationen auf CDs, mp3s (siehe auch meine hier auf der Website), Youtube-Kanälen und Achtsamkeits-Apps. Ich nutze selbst gerne die Apps „Insight Timer“ und „Mindfulness“ mit schönen Übungen auf Deutsch und Englisch.

 

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Geduld beim Meditieren, achtsame und bewusste Momente!1jpg