Die Sehnsucht nach der Stille

Um den Jahreswechsel ranken sich die Ausblicke auf das neue Jahr – Magazine und Zeitungen sind voll von Jahreshoroskopen, Wirtschaftsprognosen und Zukunftstrends. Wie stehen Sie so dazu? Ich für meinen Teil lese gerne darüber. Auch wenn Voraussagen naturgemäß fehleranfällig sind und wir nicht alles davon ernst nehmen dürfen, stehen sie für die Sehnsüchte und Ziele, denen wir in Neujahrsvorsätzen Gestalt verleihen und für die Risiken, die wir einzuschränken versuchen. 


Mein persönlicher Vorsatz für 2019 ist klar: Ich mache mich einmal mehr auf den Weg der Achtsamkeit – täglich gibt es wieder ein Zeitfenster, das nur für Meditation reserviert ist und das ich der inneren Stille widme. Das ist es, was mir Kraft gibt für die Herausforderungen des Lebens und mich über den Tellerrand meines Egos blicken lässt.  


Es freut mich, wenn ich im aktuellen Zukunftsreport von Trendforscher Matthias Horx einen Artikel über „Die neue Stille“ lese – nicht, weil ich mit meiner eigenen Achtsamkeit im Trend liege, sondern, weil er mir aus der Seele spricht: In unserer schnelllebigen, lauten und komplexen Welt, in der wir immer und überall erreichbar sein müssen (oder wollen), sehnen wir uns nach mehr Stille, nach Einfachheit und Rückzug. Vor diesem Hintergrund erscheint es völlig logisch, dass Achtsamkeit und Meditation in unserer westlichen Welt populärer sind denn je – und Retreats (das kontemplative Schweigen abseits vom Alltag) nicht mehr länger nur Klöstern und Ordensleuten vorbehalten bleiben. 

Der Bericht des Zukunftsinstituts geht über Achtsamkeit hinaus und thematisiert unter anderem den allgemeinen Wunsch nach Stille in Dienstleistungseinrichtungen wie Restaurants, Cafés, Discos, Flughäfen oder Krankenhäusern. Mit kreativen Ansätzen wird den Kunden ermöglicht, die Zeit vor Ort ruhig und angenehm zu verbringen und das Leben öfter mal auf lautlos zu stellen – selbst wenn sie von vielen anderen Menschen und Geräuschquellen umgeben sind. Der aktuelle Zukunftsreport ist über den Onlineshop des Zukunftsinstituts erhältlich.

Und während ich diese Zeilen schreibe, wächst meine eigene Sehnsucht nach der Stille. Ich freue mich, dass ich im März in mein nächstes Schweige-Retreat gehen kann – eine Erfahrung, die mich beim ersten Mal tief geprägt und die viele Monate lang positiv nachgewirkt hat. Und doch wird es wieder eine Herausforderung werden, sich dem Alltag ganz zu entziehen, das Smartphone einige Tage links liegen zu lassen und mal nichts zu tun, sondern nur zu „sein“.  

 

von Judith Pichler, 6.1.2019


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